Archiv für August 2009

pogo, pogo!

während sich die kader des bundesweiten …um’s ganze bündnis damit rühmen, daß sie wenigstens mal vom staat reden und selbigen kritisieren würden, nicht zuletzt hat besagtes bündnis unlängst auch den ersten band einer dreiteiligen pamphletesammlung zu diesem thema herausgebracht. es sei sei an dieser stelle nachgewiesen, daß die punkband blitzkrieg aus hannover dies schon in den 80ern getan hatte:

Scheiß Staat
Scheiß Bullen
Scheiß Imperialisten
Scheiß Nazis

Refr.:
Wir gegen alle
Alle gegen uns
Der Widerstand lebt
Der Kampf geht weiter
Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße !!!

Break:
Pogo,Pogo – Patz,Patz !!!

Scheiß Bonzen
Scheiß Politiker
Scheiß Unterdrücker
Scheiß Ausbeuter

Refr. + Break

Scheiß Knast
Scheiß Mauern
Scheiß Gitter
Scheiß Gesehe

Refr. + Break

Scheiß was
Scheiß egal
Scheiß drauf
Scheiß egal

Refr. + Break

(hervorhebung von mir)

hab das lied bei vinyl punx gefunden. also bitte sehr korrekter rundumschlag gegen alles. denen ging es damal’s schon „ums ganze“.

never mind spain and france. it’s about the basque country!

wenn in spanien auf malle und in burgos bomben hochgehen, die zwei polizisten töten und andere leicht verletzten, dann liest sich die berichterstattung in der hannoverschen allgemeinen folgendermaßen: ein politiker der konservativen partido popular wird mit „Die sind keine Basken, die sind eine Scheiße.“ zitiert und auch der spanische könig juan carlos darf sich mit dem ausspruch „Man muss ihnen eins auf den Deckel geben und so lange damit weitermachen bis man mit ihnen fertig ist.“ zitiert wissen. doch während sich die haz darauf beschränkt fäkal- und westernhelden zitate in die welt zu drucken, hat die süddeutsche mit dem artikel „Auf ewig der Gewalt verpflichtet“ vom 30. juli anscheinend den vogel abgeschossen.
bei info-baskenland.de wird dieser artikel auseinander genommen und das geheule über die „Auf ewig der Gewalt verpflichtet[e]“ e.t.a. und die abfeierei eines anti-terrorkampfes werden aussagen wie diese gegenüber gestellt:

Der Berichterstatter der UN-Menschenrechtskommission kommentiert dies in einem Interview mit der baskischen Zeitung Berria vom 18. März 2009:

Frage: “Was ist Ihre Meinung zur Inhaftierung von (baskischen) Politikern, die als Resultat ihrer politischen Aktivität beschuldigt werden, Mitglieder einer “terroristischen Vereinigung” zu sein oder mit einer solchen zu kollaborieren?”
Antwort: “Es ist für mich sehr schwierig festzustellen, ob es dafür Beweise gibt. Es ist sehr schwierig festzustellen, ob ein Individuum Befehle der ETA erhält und wie die Regierung sagt, Teil der ETA ist. Ich habe mehr Informationen im Fall politischer Parteien und Wahlplattformen. Hier bin ich der Meinung, dass der Standpunkt der Regierung zu viel umfasst. Sie geht gegen Gruppen vor, die nichts mit Gewalt zu tun haben. Dieselben politischen Ziele wie ETA zu haben, sollte nicht als Verbrechen behandelt werden und ist kein Grund für das Verbot einer politischen Partei, wenn es keinen Bezug zur Gewalt gibt.“ (Vollständiges Interview in deutscher Übersetzung)

diesen „schmutzigen krieg“ in dem also auch, diejenigen betroffen sind, die sich um eine politische lösung des baskischen konflikts bemühen, gab es laut dem sz schreiberling zwar, denn

Eine Zeitlang … in den Achtzigern ließ sich die junge Demokratie zu einem schmutzigen Krieg hinreißen, unterstützte Todesschwadronen, ließ Folter ungesühnt. Doch das ist lange her

das soll ja auch so sein. der spanische staat hat da am anfang eben ein paar fehler gemacht und hat da etwas über die strenge geschlagen. aber nun ist ja auch gut. stattdessen auf der anderen seite die „terroristen“, die wie schon aufgezeigt „auf ewig der gewalt verpflichtet“ sind und denen „unklar sei für wen sie eigentlich noch kämpfen“.

auf antifa.de heißt es dazu :

Politik, Polizei und Justiz gehen inzwischen äußerst hart gegen alles vor, was sich entfernt für linke Bewegung im Baskenland, für eine Lösung des Konfliktes oder für kulturelle baskische Belange einsetzt. Manche bezeichnen dies als nicht demokratischen Ausnahmezustand:

– Parteien wurden verboten, darunter Herri Batasuna, Batasuna, eine Kommunistische Partei , …
– linke Jugendorganisationen wie Jarrai oder SEGI wurden verboten und deren Aktive z.T. zu 10 Jahren Knast verurteilt! (…)
– Zeitungen und Radios wurden geschlossen, darunter EGIN und Egunkaria
– tausende linke Aktivisten wurden festgenommen – über 700 Männer und Frauen sitzen im Gefängnis
– Zahlreiche Verhaftete berichteten von Folter (…)
– hochmilitarisiertes Baskenland: die Polizeidichte ist dort doppelt so hoch als in der BRD
– Wegen „Unterstützung des Terrorismus“ werden sogar Angehörige und Freunde verurteilt, weil sie Bilder von ETA-Gefangenen aufhängen.

dazu kommen ganz aktuelle ereignisse: sei es die razzia gegen ein baskisches online kulturportal

Am Morgen des Mittwochs 29 Juli, durchsuchte die dem Militär untergeordnete spanische Guardia Civil die Räume eines Internetprojektes der baskischen Jugendbewegung. Das Portal, dass unter www.gaztesarra.neterreichbar ist, informierte über zahlreiche kulturelle politische und kulturelle Aktivitäten der baskischen Jugendbewegung und wurde von verschiedensten Jugendbwegungen genutzt.

oder auch der tod eines stellvertretenden bürgermeisters, der zwischen jugendlichen und der polizei vermitteln wollte.

erschreckend – das empfinde ich ganz unten in den gewölben meines gutmenschlichen seins auch tatsächlich so – ist das verschwinden des linken aktivisten jon anzo. jon lebte in ipparalde, dem teil des baskenlandes, der in frankreich liegt.

Es sind nun mehr als zwei Monate vergangen, seit er den Zug in Baiona bestieg, um nach Toulouse zu fahren. Seither fehlt von ihm jede Spur. Es gab in der Vergangenheit Fälle, in denen baskische Aktivisten verschleppt, gefoltert und ermordet wurden. Wir befürchten, dass sie Jon etwas angetan haben könnten. Wir fordern eine Aufklärung des Falles. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Mit jeder Stunde, die vergeht, wird der Schatten des schmutzigen Krieges (so nannte man die vom Staat organisierte, illegale Entführung und Ermordung baskischer Aktivisten in den 80er Jahren) länger.

solange solche ereignisse noch realität sind, gilt auch für sz redakteure. einfach mal die fresse halten!

p.s.: eigentlich wollte ich schon vor geraumer zeit einen neuen beitrag schreiben. „erwacht dank stalin“ sollte der heißen. und hauptsächlich meine fassungslosigkeit über das werbevideo von „stalin vs. martians“ ausdrücken, das ich kurze nach der veröffentlichung bei crtl entdeckt hatte.