Archiv für Dezember 2008

jetzt gehts rund

„Scheiß Diffamierungslinke!“ heult „♥Tekknoatze“ (im folgenden ♥TA), weil er wegen der berichterstattung zur silvesterdemo in hannover wohl ansagen im echten leben bekommen hat. das schließe ich zumindest aus dem aktuellsten post auf seinem blog. mit fußnoten und anderen argumenten hat der ewig kritische autor bereits bewegungslinken aller coleur (von jugendantifas, der sdaj , antimilitaristInnen und dem antiversand) den spiegel vorgehalten. höhepunkt der kritischen aufarbeitung war dann die ausarbeitung einer top 10 der „Lieblingshassgruppen“.

im moment scheint sich die zielgruppe aber nicht so recht auf das kritik einprügeln einlassen zu wollen und es gibt kontra in kommentarspalten und, wie schon angemerkt, scheinbar auch im richtigen leben. hier liegt wohl der hintergrund für die hastig zusammengezimmerte „weichenstellung“.
angefangen hat es wohl mit der erwähnung des blogs in den auflagen der polizei, wo es heißt:

In Bezug auf die hier in Rede stehende Demonstration am 31.12.08 finden sich Aufrufe, in die graphische Darstellungen von vermummten und steinewerfenden Personen eingeunden sind. Es wird dort überdies geäußert, dass sich die Demonstration inhaltlich wohl an der des Vorjahres orientieren wird (vgl. http://einblog.blogsport.de/2008/10/05/silvesterdemo-hannover-2009).

(s. Seite 3)
gerechtfertigt wird sich mit der aussage:

Im Betreffenden Post von mir ging es vor allem um die graphische Gestaltung. Aus der graphischen Gestaltung und den verwendeten Mottos hab ich auf eine inhaltliche Kontinuität geschloßen. Das diese Vermutung nich allzu fernab vom Schuß lag kann der_die interessierte Leser_in hier nachlesen.

ein klick weiter sind wir bei dem entsprechenden artikel, hier steht:

Wie auch letztes Jahr wird dieses Jahr in Hannover an Silvester eine Demo stattfinden, Unter dem Motto “Gegen Innere und Äußere Aufrüstung! – Für ein Leben jenseits von Kontrolle und kapitalistischer Ausbeutung!” soll demonstriert werden.

dies ist eine feststellung, die sich mit blick auf die internetseite und den verteilten flyer belegen läßt. also weiter:

Was die Veranstalter_innen inhaltlich beabsichtigen wird sich wohl am Aufruf vom letzten Jahr orientieren, das legen zumindest die graphischen Gestaltungen nahe, die vom Aufbau doch sehr nah beieinander liegen

zum inhalt des aufrufes wird eine vermutung formuliert. diese vermutung wird an der vermeintlichen ähnlichkeit der „graphischen Gestaltungen“ festgemacht. dazu kurz die plakate von 07 und 08 gegenübergestellt:

2007:

2008:

den „doch sehr nah beieinander liegen[den] Aufbau“ der beiden plakate, erkenne ich nicht. hier ist mir das ewig kritische auge des blogbetreibers vorraus. ich finde einfach beide schlecht – mehr nicht.
mehr oder weitere argumente werden auch auf einblog nicht gebraucht, stattdessen wird über qualität und layout des printwerkes gemeckert und im folgenden nun ein eigenes bild designed.

bis hierhin also eine kurze, von mir vorgenommene, zusammenfassung der kritischen analyse durch ♥TA:

es gibt eine silvesterdemo in hannover. um was es inhaltlich geht, keine ahnung. wird wohl so sein, wie letzes jahr, weil das plakat so ähnlich ist wie das vom letzten jahr. plakat sieht scheiße aus, weil [unheimlich wichtige analyse hier einsetzen lesen]. weil ich so ein cooler typ bin, mach ich auch noch ein eigenes bild. ist inhaltlich zwar die selbe schiene, sieht aber besser aus.

soweit also die meinungsbildung bei ♥TA. da oft leider wahr ist, daß „das gegenteil von gut, gut gemeint ist“, sei dem findigen kritiker zugerufen „das argument mußt du erstmal lernen!“
deutlich wird das z.b. in diesem teil der stellungnahme/weichenstellung:

Im Betreffenden Post von mir ging es vor allem um die graphische Gestaltung. Aus der graphischen Gestaltung und den verwendeten Mottos hab ich auf eine inhaltliche Kontinuität geschloßen. Das diese Vermutung nich allzu fernab vom Schuß lag kann der_die interessierte Leser_in hier nachlesen.

das „hier“ verlinkt auf die obenangesprochene stelle im artikel. und wie schon geschrieben wurde dort ganz klar etwas festgestellt und nicht auf etwas „geschloßen“. und durch die erneute behauptung von etwas falschem wird es noch lange nicht richtig. das haben eben auch die bullen mitbekommen. denen ist, was das angeht, kein vorwurf zu machen, die haben einfach das material zusammengetragen, was es im netz gab und dein rumgelaber gehörte dann eben dazu.
anstatt also rumzuheulen, daß es doch alles nicht so gemeint war bzw. falsch verstanden wurde, vielleicht mal nachdenken, bevor mit erhobenen zeigefinger die scheinbar reine lehre in die welt gesetzt wird.
es erscheint dann tatsächlich seltsam, wenn die forderung nach einhaltung linker mindesstandards wie „anna und arthur halten das maul“ einer quasselbude und selbstdarstellungsblog wie dem von ♥TA erscheint.

off-topic:
die organisatorInnen der demo schrieben mittlerweile einen inhaltlichen aufruf und wieder fühlt sich ♥TA berufen seine kritik in die blogosphäre zu posaunen und das obwohl „Der Aufruf weitesgehend unspektakulär ist“ und es lediglich „die Sicht der Verfasser_innen“ sei, daß „natürlich alles große Scheiße und verhindert [gehört]“, „was die NATO im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen so anstellt“. Unspektakuläre imperialistische Kriege durch nato und brd laufen also unter „Allgemeines“ und bedürfen nicht der kritischen Betrachtung. Schlaflose Nächte wurden ♥TA wohl aber durch den Aufruf zur besagten Demo beschert und so lässt er es sich nicht nehmen, sich vier Fetzen aus dem Text zu klauben und diese mit geschultem Blick auseinandernehmen. die nachtruhe scheint gesichert.

silvesterdemo und sachen, die wirklich aufregen

hier in hannover dreht sich gerade ganz viel um das angekündigte verbot der silvesterdemo am mittwoch (s. auch indy). auf dem mobilisierungsblog können die aktuellen auflagen nachgelesen werden und den aktuellen stand gibt es ebenfalls bei indymedia.

interessanter und vor allem mehr grund zum schmunzeln und/oder heulen, bietet die aktuelle ausgabe der zeitung „politik orange“, die die gute alte tante totalitarismus auf einen artikel und ein interview eingeladen hat. im folgenden der artikel. entdeckt hat’s ignaz.

„Man muss mehr können, um Linksextremist zu sein“

Wo fängt Extremismus an? Und was unterscheidet Links- von Rechtsextremismus? Jannik Bargen und Corinna Höfel sprachen mit Ulrich Dovermann, dem Extremismus-Experten der Bundeszentrale für politische Bildung.

Mal ganz naiv gefragt: Wenn sich ausländische und deutsche Jugendliche prügeln, ist das schon Extremismus?
Nein. Extremismus liegt erst dann vor, wenn eine der beiden Gruppen politisch motiviert ist oder ein fremdenfeindliches Motiv hat.

Spielt die politische Richtung für Jugendliche überhaupt noch eine Rolle, wenn sie sich extremistischen Parteien zuwenden?
Grundsätzlich werden Extremisten von einer tiefen Wut getrieben, bei der es manchmal zufällig sein mag, in welche politische Richtung sie tendiert. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede zwischen rechts und links. Rechte Ideologien sind exklusiv, sie grenzen aus. Rechtsextreme sind meist sehr schwache Jugendliche. Sie wollen ihr Selbstbewusstsein stärken, indem sie andere zu Underdogs erklären. Linksextremisten holen sich ihre Bestätigung nicht, indem sie andere degradieren. Um Linksextremist zu sein, muss man also schon mal mehr können!

Was können die Eltern von Jugendlichen tun, um sie vor Extremismus zu schützen?
Wenn überhaupt ein Elternhaus vorhanden ist, egal ob ein gutes oder weniger gutes, dann wirkt das meistens stabilisierend. Wenn Vater und Mutter jedoch überhaupt nicht präsent sind, kommen andere Gruppen zum Zuge. Sie geben den Jugendlichen Sicherheit und ein neues Zuhause. Das können auch extremistische Gruppen sein. Jugendliche, die ohne familiäre Erziehung aufwachsen, tendieren häufiger zum Extremismus.

Wenn Extremismus in der Schule thematisiert wird, geschieht das meistens nur im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. Genügt das als Aufklärungsarbeit?
Unser Schulsystem ist ohnehin völlig überlastet. Den Lehrerinnen und Lehrern jetzt die perfekte Aufklärung über den Extremismus abzuverlangen und ihnen die Gesamtverantwortung für die Verbreitung des Extremismus auf die Schultern zu legen, wäre unfair. Vergangenheitsbewältigung ist kulturell zwar sehr wichtig. Aber gegen den gegenwärtigen Rechtsextremismus hilft sie rein gar nicht. Nur weil Schüler im Unterricht den Nationalsozialismus behandeln, heißt das noch lange nicht, dass sie später nicht selbst rechtsextremistisch werden können. Stellen Sie sich einmal vor, die Schule könnte Jugendlichen ein genau vorhersehbares Verhalten zielgerichtet beibringen – das wäre doch grauenvoll!

OI!

oi, ist das alles, woran ihr noch glaubt
unpolitisch, was ist das überhaupt

sangen pysychisch instabil in „unpolitisch macht hirntod“ und genauso ist und bleibt es.

schöne einleitung, denn es geht um oi und skinheads und darum unpolitisch rechtsoffen zu sein. dank lastunicorn habe ich den link zu dem oithegreyzone blog bekommen. hier nehmen eine altskins in einem „roten hetzpamphlet“ die legende der „antirassistischen“ oi-bands Condemned 84, Stomper 98 und Templars auseinander.
ziel war, daß das konzert von Stomper 98 und Templars am 15.11. im conne island abgesagt werden sollte. dies hat aufrgrund der holzköpfigkeit der conne island leute nicht geklappt.

unterstützung erhielt das „ZK Knülle im Politbüro – ROCK AGAINST CONDEMNED 84″, so die selbstbezeichnung der altskins, aus, meiner meiner nach, unerwarteter ecke: Egotronic, Produkt Booking, frittenbude und Audiolith rec. machen sich ebenfalls für eine absage stark, da egotronic keinen bock haben auf der gleichen bühne zu spielen wie rechtsoffene oi-bands.

das conne island antwortet mit viel bla bla und dem erschreckenden statement:

Wir verstehen – angesichts der Fakten, die Euch vorliegen – Eure Angst, wenngleich wir sie nicht teilen, dem Conne Island könne sein genuin antifaschistischer Grundkonsens unter den Füßen wegrutschen.

siehe hier

trotz allem haben beide konzerte stattgefunden. torsun auf seinem blog nochmal ein abschließendes statement gepostet, das eine klare ansage in richtung conne island macht. daumen hoch von meiner seite, gerade, weil ich in der richtung von egotronic nicht mehr allzuviel erwartet hatte.

paradise now!

a.k.a. fishing for klicks. doch geht es hier in keinster weise um den umstrittenen film gleichen namens, noch um den ebenfalls diskutierten aufruf der ums ganze!-brillenträgerInnen.

es geht um indymedia. und nein, auch nicht um z.b. die deutsche sektion, wo jeden tag extrem wichtige berichte über die auflösung von antifa gruppen oder die durchführung von kapital-lesekreisen erscheinen, sondern um das indymedia von tokelau. tokelau ist ein „von Neuseeland abhängige Gebiet mit 1.466 Einwohnern (Oktober 2006) und einer Fläche von 12 km“. es besteht aus „den Atollen Atafu, Nukunonu, Fakaofo“ und „liegt im Süd-Pazifik“. (alle zitate von hier)

und während hierzulande indymedia über brisante politaction (s.o.) berichtet, heißt es auf der frontseite von indymedia.tk:

Everything is very fine and ultimately peaceful here and we are 100% happy!
We have nothing to complain about, we are not even bored! No, truelly!

und auch das newsfeed meldet lediglich

Nothing else is happening really.

da es also keinen anlaß gibt, über politik zu berichten, lümmeln sich die indymods von tokelau den ganzen tag am strand.

You can find us at the beach, if you really want to publish something.

auch der bericht, der im juni 07 von stern online und der netzzeitung veröffentlicht wurde kann daran nichts ändern.
wenigstens wird in dem artikel im bezug auf tokelau eingeräumt, daß

Militante Neonazis (…) aus Deutschland und anderen europäischen Ländern waren wahrscheinlich noch niemals dort.

der forderung „pardise now!“ ist also verwirklicht und zwar auf tokelau1. diese these stützen die berichten (bzw. deren völlige abwesenheit) auf dem ewig kritischen indymedia netzwerk.

  1. natürlich handelt es sich hier um ein fake. schon im kleingedruckten bei indymedia tokelau steht: „Any possible simularities with real existing worlds are purely coincidental and incredible. „[zurück]