Archiv für Juli 2008

charles bronson

bei 7inchpunk geht es im neustem beitrag über charles bronson. die songs der „SELF TITLED (DIET ROOTBEER) “ 7″ gibt’s zum runterladen!

jetzt geht’s um die wurst

zumindest, wenn ein „Bündnis ‚Antisp(e)e versenken!“ zu aktionen zum grillen1 gegen den anti-speziesistischen kongress aufruft. so ein kongreß ist für august im ujz korn geplant (für die leute von außerhalb).

ist geschubse und mehr unausweichlich oder wird trotz großmäuliger ankündigung2 einfach gar nix passieren.
erstmal zur form: der aufruf ist ein einziges wirrwarr von zitaten und inhaltsleerer pöbelei à la „die Plapperbude des Antispe-Kongresses 2008″, „Moral-getränkten Geschwätz der herrschaftskritischen Heulbojen des Verzichts die kritische Kritik [sic!] entgegenzusetzen“, „postmodernen Klo der Beliebigkeit“ usw. es wurde auf jeden fall viel heiße luft abgelassen. ich frage mich auch, was „anti-sp(e)e versenken“ bedeuten soll? hat sich das „bündnis“ da einfach in berlin bedient? hier machen zumindest die beiden „e“s auch die ankündigung etwas „versenken“ zu wollen sinn. denn mit wasser, schiffen oder unfällen hat weder der kongreß noch die angekündigte gegenaktion zu tun. wer immer sich da das motto ausdenken sollte hatte kein gutes händchen.

fundierte kritik gab es auf jeden fall schon vorher. nämlich zum einen vom AK Gibraltar mit dem fokus auf den begriff „Antispeziesismus“ zum anderen von junge linke mit ihrem text „Meine Freunde ess ich nicht – Kritik am (v.a. tierrechtlichen) Veganismus“.

viel besser als in dem text bringt hier3 ein mensch von junge linke die kritik auf den punkt, die mir bei den texten fehlt. nämlich warum es völlig absurd ist eine aufhebung von herrschaftsmechanismen zwischen mensch und tier zu fordern. denn das problem am antispeziesismus ist ja nicht, daß sich da für tierrechte (so demokratieidealistisch das auch ist) eingesetzt wird. ich finde es auch gut, wenn keineR mehr auf die idee kommen würde den eigenen hund/vogel/affen zu verhauen oder wenn sich menschen was veganes zu essen machen. „Was wir hingegen kritisieren“, jetzt kommt junge linke „ist erstens, wenn uns Ernährungsfragen als politische Handlung verkauft werden und sich im Glauben gewogen wird, mit jedem Brot, das mit veganer Sojapaste bestrichen ist, würde die Welt ein bisschen besser werden.“
Denn „Tiere werden nicht ausgebeutet, sondern benutzt, aufgezogen, gefüttert und geschlachtet, um Profit zu machen. Das damit gleichzusetzen, dass jemand deine Arbeitskraft aufkauft, um aus deren Benutzung einen Gewinn über die Kosten hinaus zu erzielen, trägt zur Erklärung nix bei.“ Nie würde es anti-speziesistInnen in den Kopf kommen „Löwen vorzuwerfen Antilopen ‚auszubeuten‘“, weil ja hier auch kein macht unterschied bestehen würde, da sowohl der löwe als auch die antilope in die kategorie „nicht-menschliches tier“ fallen würden.

und genau dann, wenn sich die, als links verstehendenen, Antispes von peta und „der holocaust auf deinem teller“-kampagnen distanzieren (was ich gut finde). läuft es doch zwangsläufig auf eine gleichsetzung hinaus, wenn sie davon ausgehen, daß es damals „menschliche tiere“ waren, die in konzentrationslagern und heute eben „nicht-menschliche tiere“ sind, die in schlachthöfen industriell vernichtet werden. wenn das dann damit begründet werden würde, daß die menschen (bzw. die menschlichen tiere) vernunftsbegabt sind und es deshalb nicht dazu hätte kommen dürfen, wären wir dabei, daß eine speziesistische sicht der dinge, nichts verwerfliches wäre und sogar nötig wäre.

  1. vermutlich wird es fleisch geben [zurück]
  2. schließlich wird im „aufruf“ mit zitaten von marx über alerta bis hin zu bündnis 90/die grünen bis hin zur bahamas um sich geworfen, brecht soll zwar ein trottel sein, wird aber trotzdem zitiert. [zurück]
  3. in der antwort auf den brief im Oktober 2007 von J. aus B.[zurück]

die wahrheit in stürmischen gewässern

momentan geht’s ab in hannover. nein, nicht in ganz hannover aber ein kleines lokalradio macht in letzter zeit von sich reden. aber ich fang am anfang an:

von sich selber sagt radio flora:

Radio flora ist ein hörbares Spiegelbild der sozialen, kulturellen und politischen Ereignisse und Bewegungen in der Region Hannover. Radio flora versteht sich als zugangsoffener Bürgersender auf allen Programmebenen. Denn Radio zum Mitmachen ist ein erklärtes Ziel. Die aktive Beteiligung der HörerInnen, die teilweise Aufhebung der Trennung von ‚Produzenten und HörerInnen‘ wird bei radio flora insbesondere durch die Mitarbeit in den Redaktionsgruppen und in den offenen Sendeplätzen erreicht. (…)

Lokalfunk, wie wir ihn wollen, ist nicht nur „Radio“ als ein Medium der Unterhaltung und der Information, sondern auch als Medium des „Dialogs“. Hier sollen unterdrückte Themen und Meinungen öffentlich gemacht werden, und besonders diejenigen zu Wort kommen, denen der Zugang zu den bestehenden Medien üblicherweise verwehrt ist.

das hört sich ja alles ganz schön und gut an, hat nur mit der momentanen praxis wenig zu tun, denn letzte woche wurde eine sendung zensiert, die sich kritisch mit der zunehmenden kommerzialisierung bei flora auseinandersetzte.

es geht um das radiofeature „Die Kampagne – Beseitigung eines selbstverwalteten Radiobetriebes in Hannover“. produziert wurde es vom magazin international (bei flora) und dem arbeitskreis regionalgeschichte.

was dann passierte als das feature ausgestrahlt werden sollte dokumentiert die pressemitteilung des ak regionalgeschichte:

Radiofeature “Die Kampagne” zensiert

Was sich am 7.7.2008 beim hannoverschen Radio Flora abspielte, dürfte in der Radiogeschichte Westdeutschlands nach 1945 Seltenheitswert besitzen, wenn nicht sogar einzigartig sein.

Als die verantwortliche Redakteurin der Redaktion International, (…) vor Beginn der Sendung das Studio betrat, teilte ihr ein Techniker mit: Auf Anweisung der Sendeleitung habe er ihre Moderation zu überprüfen. Falls sie das geplante Feature „Die Kampagne – Beseitigung eines selbstverwalteten Rundfunkbetriebes in Hannover“ ankündige, müsse er die Übertragung „auf Anordnung des Chefs“ sofort abbrechen. (…)

Mechthild Dortmund sprach zunächst über die Verfolgung von Journalisten und die Unterdrückung der Pressefreiheit in verschiedenen Ländern, kam dann auf die Situation in Deutschland zu sprechen und kündigte schließlich das Feature an. In diesem Augenblick würde die Übertragung abgeschaltet und Rockmusik eingeblendet.

Der Arbeitskreis Regionalgeschichte (…) protestiert gegen die Etablierung der Zensur bei Radio Flora, die Entmündigung der Redaktionen und die Aushebelung des Redaktionsstatuts. Offensichtlich soll der redaktionelle Teil des hannoverschen Bürgerradios zur Übernahme durch die Werbewirtschaft und den Kommerzfunk fit gemacht und über die Hintergründe geschwiegen werden. Das Vorgehen der Sendeleitung von Radio Flora bestätigt eindrücklich die Aussagen des Radiofeatures.

Am Dienstag, den 8.7.2008 konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Offenen Sendeplatzes „Interpol“, auf den die neuen „Chefs“ des Radios rechtlich keinen unmittelbaren Zugriff haben, das inkriminierte Feature senden. (…)”

den livemitschnitt der zensur, könnt ihr euch bei freie-radios.net anhören/runterladen. hier gibt es auch ein interview mit einem mitglied des ak regionalgeschichte und das auch feature in voller länge:

wer nicht hören will, kann’s lesen!

nach solchen ereignissen, ist die frage, ob es überhaupt noch sinn macht einen laden wie radio flora zu unterstützen.

das geht ab!

das macht laune!