Blockupy 2013 und ein Gespür für politische Schönheit

Am 31. Mai und 1. Juni 2013 fanden in Frankfurt/Main zum zweiten Mal die Blockupy Aktionstage statt. Über Sinn und Unsinn von Blockupy hatte ich mich im Vorfeld mit Freund_innen und Aktivist_innen gestritten. Die einen erwarteten eien Wiederholung der Krawalle wie bei M31, andere waren der Meinung ein offen angelegtes Konzept mit vorher angekündigten Blockadeaktionen an konkreten Punkten könne nie klappen und anderen wiederrum reichte ein Palituch tragender Aktivist der Clownsarmy, der während eines Beitrags über den Protest gegen Fluglärm gezeigt wurde, um zu wissen, daß Blockupy nur wieder eine Ansammlung von Verkünder_innen verkürzter Kapitalsmuskritik sein würde. Schließlich solidarisierte sich der Sprecher der Protestaktion mit Blockupy.

Am Ende war Blockupy 2013 etwas ganz anderes.

Mehrere tausend Menschen blockierten am Vormittag des 31. Mai die Zugänge zur EZB. An einigen Stellen wurden noch Versuche gestartet weiter in Richtung EZB durchzubrechen. Angesichts der Tatsache, daß das eigentliche Ziel bereits erreicht wurde, wäre ein hier errungener Erfolg eher die Kirsche auf der Sahne gewesen. Aber es blieb bei Versuchen. Die Stimmung in den Blockaden war trotz Mistwetters und der frühen Uhrzeit gut. Gegenüber Angestellten und anderen Menschen, die durch die Blockaden wollten wurde sich unkooperativ, aber freundlich verhalten. Den Umgang mit der Polizei beschreibt leftvision treffend:

… dazu [massive Einschränkung der Bewegungs- und Demonstrationsfreiheit] gehörten auch dreist offensichtliche Provokationen von Greiftrupps mitten in der Demonstration. Die Aktivist_innen reagierten kraftvoll jedoch ohne die von der Staatsgewalt vermutlich erhofften Riotbilder zu liefern.

Zum Mittag versammelten sich die Aktivist_innen auf dem Platz an der Paulskirche und machten Pause. Von hier machten sich kleinere Gruppen auf den Weg zu den verschienen thematischen Aktionen wie am Flughafen gegen Abschiebung, zur Deutschen Bank gegen Landraub und Nahrungsmittelspekulation und zu Aktionen im Rahmen von Recht auf Stadt. Eine weitere Gruppe machte sich als Care Mob auf den Weg, um dann schließlich in der Einkaufstraße Zeil zu landen. Hier traf sie auf die letzte Gruppe, die hier mit Aktionen gegen schlechte Arbeitsbedingungen – sowohl im Einzelhandel in Frankfurt als auch bei der Produktion von Kleidung in Asien – aufmerksam machte.
Alle thematischen Aktionen wurden vorher bei offenen Plena im Camp vorgestellt und diskutiert.

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Nachtrag am 1. Mai

So wichtig es ist, linke Theorien und Strategien weiter zu entwickeln und, wie hier gefordert, Aktionsformen zu finden, die diese Weiterentwicklung sichtbar machen, desto wichtiger ist es, bewährte Aktionsformen nicht zu verwerfen. Nur weil es auf Demos auch langweilig sein kann, sollte man nicht auf die Aktionsform der Demonstration verzichten und nicht jede Demo, die gleich im neuen Stil daher kommt (was immer das auch genau sein kann), ist Revolutionsromantik.

Die Revolutionäre Jugend Zürich hat 2012 verschiedene Möglichkeiten dokumentiert den 1. Mai zu gestalten.

In diesem Sinne einen erfolgreichen roten 1. Mai, wo auch immer ihr ihn begeht!

Reloadet

Die Erlebnisse bei Blockupy 2013 – sowohl bei den dezentralen Aktionen als auch bei der Demo bzw. im Kessel, der eher unklare Begriff der politischen Schönheit und das sehr konkrete Bedürfnis nach einer anderen Demokultur, der #mayofsolidarity und das Blockupy Festival 2014, Auflösung bzw. Transformation von Antifa Gruppen, die schon lange mehr als das waren, das Zwischenstandspapier der Interventionistischen Linken, gute und große Mobilisierungen in Hannover wie zur Halim Dener Demo, zum 3. Oktober und gegen HOGESA, die Abgenervtheit über den Militanzbegriff in den Diskussionen der Autonomen und die Begeisterung für eine Militanz wie bei der Aktion der Commune of Europe in Venedig, zuletzt dann wieder Blockupy am 18. März diesen Jahres mit den Erlebnissen im blauen Finger (Mehr: Fotos & Videos) und den unterschiedlichen Rückblicksperspektiven.

Dann ein Satz aus einer Buchbesprechung im neuen deutschland, der es auf den Punkt bringt:

In Bündnissen, so resümiert der Autor kritisch, war allerdings »das dogmatische Bekenntnis der Antifaschisten zur Militanz immer ein Hemmschuh. Mehr Offenheit und Toleranz wäre an diesem Punkt sicher zielführender gewesen. Hier war das Denken der Militanten zu eindimensional«.

Und trotzdem das Unvermögen diese Schlaglichter zu verbinden. Dies gelingt auch nicht in Debatten und Kneipengesprächen. Am Ende ist es das 1. Mai-Mobivideo der linken baskischen Jugendorganisation ernai, das diese Gedanken zusammenbringt und den letzten Anstoß bringt diesen Blog wieder zu beleben.

Hier wird also nun aufgeräumt und neu gestrichen. Paralell soll in den kommenden Beiträgen auf die oben genannten Ereignisse und Erlebnisse zurück geschaut werden, um die vielen unterschiedlichen Facetten zusammen zu bringen.

die jugend von heute

haben am mittwoch in der faust gespielt. da wurden ordentlich ärsche getreten. spermbirds, die als vorband auftraten, waren eher so langweilig. lustige anekdote in diesem zusammenhang auch der fakt, daß das anwesende publikum relativ „alt“ für ein punk bzw. hc-konzert war. aber so ist sie eben die jugend von heute.

hier das video von „break down the walls“ vom mittwoch:

für den oppa hier auch noch das video von no more inkl. metzgerwagen-verfolgen-szene:

politisch nach links verrannt

ein journalist der taz ruft bei der aussteigerhotline für „linksextreme“ an, die das familienministerium anbietet. denen geht es „generell um Leute, die sich nach links verrannt haben – politisch gesehen.“

das ganze ist schon eher als realsatire zu begreifen und kann hier nachgelesen werden.

no cops, just party!

trotz zu erwartenden unkenrufe wegen vermeintlicher menschenrechtsaffirmation soll hier der link zum sternartikel „So brutal sind deutsche Polizisten“ nicht fehlen, den ich via granma-blog entdeckt habe:

Von wegen Freund und Helfer: Deutsche Polizisten fallen immer wieder durch Gewaltexzesse auf, wie ein Bericht von Amnesty International belegt. stern.de hat eine Reihe weiterer erschreckender Fälle recherchiert.

artikel wie dieser sollte allen denen im hals stecken bleiben, die nach härteren strafen bei widerstand gegen polizistInnen schreien.

von den schlechtigkeiten der welt da draußen, hoffe ich bei folgenden veranstaltungen an diesem wochenende verschont zu bleiben:
freitag:


im stumpf

samstag:


in der korn.

fasst die monster!

keine frage. während in der haz darüber geklagt wird, daß in der calenberger neustadt deutschland-fahnen abgeknickt werden und überhaupt:

Linksradikale Gruppierungen […] seit geraumer Zeit im Internet dazu auf[rufen], WM-Fähnchen und andere Deutschland-Symbole „zu erbeuten“, um so gegen den, aus ihrer Sicht, derzeit vorherrschenden „Nationalismus und Party-Patriotismus“ vorzugehen. Sie haben die bewusste Zerstörung von schwarz-rot-goldenen Devotionalien sogar zu einem regelrechten Wettbewerb mit Punktevergabesystem erkoren. Demnach bringt eine zerstörte Autoflagge den Tätern einen, eine kaputte große Fahne zwei und ein zerrissenes Deutschland-Trikot zehn Punkte ein. Auf einschlägigen Seiten im Netz prahlen einige der linken Gruppen mit ihren Taten. So will das „Kommando Kevin-Prince Boateng“ bereits rund 1650 der „schwarz-rot-goldenen Lumpen“ erbeutet haben. Im Berliner Stadtteil Neukölln ist eine 20 Meter lange Deutschlandfahne an einem Mehrfamilienhaus bereits zweimal von Linksradikalen beschädigt oder zerstört worden. Allein aus diesem Viertel sind bei der Polizei Medienberichten zufolge bereits rund 30 Anzeigen wegen Sachbeschädigung eingegangen. Bei den hannoverschen Beamten hat sich dagegen bislang noch kein Betroffener gemeldet. „Wir haben keine Erkenntnisse in diesem Bereich, es gab keine derartigen Einsätze am Wochenende“, sagte eine Sprecherin.

ist die eine sache. auf der anderen seite tummeln sich auch in hannover nazis auf public viewing-veranstaltungen oder ein aufrichtiger deutschland-fan erschießt mal eben zwei italienische fußballfans. das ist partypatriotismus!

im nachbarstädtchen celle ist es da schon ruhiger, wenn nicht gerade dieses räuberpäärchen sein unwesen treibt:

Räuber!

also bitte! fast die monster! vielleicht sollten public-viewings für kessel genutzt werden.

nachträglich zum vatertag

da war er wieder der sog. „herren-“ oder auch „vatertag“ anlass genug für die männer, die es sein wollen sich so zu verhalten, das reagan youth nur zuzustimmen ist, wenn sie singen:

Degenerated! Degenerated! And you minds have vegetated!
Degenerated! Degenerated! And your thoughts are constipated!

tiefer in die materie hat sich auch dieter wischmeyer alias günther der treckerfahrer alias der kleine tierfreund und alias frieda begeben. ab 2:40 get es um obengenannten anlass, davor setzt sich der referent kritisch mit dem muttertag auseinander.

affenpunk

da spielt doch neulich eine band mit den geilen namen „affenmesserkampf“ im stumpf. das ich das verpasst habe, hatte mich richtig geärgert. war ich doch der meinung eine großartike trash hardcoreband verpasst zu haben. doch als ich heute mal bei denen reingehört habe, hat mich das ganze eher an eine punk-version von turbostaat erinnert. sehr gut. weiter so! punk-bands mit einem affenbezug im namen, scheinen richtig ärsche zu treten. mein persönlicher favorit ist übrigens „bullenscheiße“ und nicht nur wegen der black flag anleihen.

mein favorit in sachen affe ist übrigens dieser hier:

sich zum horst machen

geht so: